Der Vorbereitungskurs für Hospizhelfer hat mich bereichert…

Durch den Verlust von engen Familienangehörigen beschäftigt mich das Thema Tod und Trauer sehr. Der eigentümliche Gedanke, sich in einer Gruppe damit konkret auseinander zu setzen, verschwand schnell. Ich war tief beeindruckt von dem gegenseitigem Verständnis und dem Vertrauen, das sich bald ausbreitete. Anhand einer biblischen Geschichte wurden die einzelnen Abende mit theoretischen Kenntnissen und praktischen Beispielen sehr ansprechend gestaltet. Ich durfte lernen, wie unterschiedlich sich jeder mit dem Tod auseinander setzt und wie man sich selbst schulen kann, besser auf seine Mitmenschen einzugehen.
Der Einführungskurs war für mich ungeheuer bereichernd, ich habe interessante Menschen kennen gelernt und mich intensiv damit beschäftigt, was für mich im Leben wirklich wichtig ist. Nun hoffe ich für Sterbende und Trauernde in der Zeit des Abschieds eine Hilfe sein zu können. (UJ)

 

Beweggründe und Erfahrungen einer Ehrenamtlichen im Team mitzuarbeiten…

Ich las eine Einladung zu einem Informationsabend vom Hospizverein. Ich fühlte mich angesprochen, da ich das Gefühl hatte, im Leben wieder etwas zurück geben zu wollen. Nach dem Abend beschloss ich an einem Hospizhelferkurs teilzunehmen. Wir trafen uns 12 Monate lang und haben viele Themen besprochen und bearbeitet. Diese Vorbereitung auf meine Aufgabe war sehr wichtig für mich und gab mir Sicherheit und Mut.
Nun treffen wir uns einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch und haben die Möglichkeit, an Supervision teilzunehmen.
Eine Begleitung entwickelt sich…
Unsere Koordinatorin bat mich darum, zusammen mit ihr zu einer Familie zu gehen. Frau A hatte um Beistand gebeten, wenn sie Arztbesuche machen wollte und jemand bei ihrem kranken Mann sein sollte. Ihr Mann litt an Krebs, er wurde uns von seiner Frau als „etwas grantig“ beschrieben. Seiner Meinung nach brauchte er niemanden – er wollte seine Ruhe haben.
Bei unserem ersten Gespräch sagte ich ihm, dass ich käme, damit seine Frau Termine wahrnehmen könne. Ihn würde ich auf keinen Fall stören.
Zu meinem zweiten Besuch hatte ich mir Schreibarbeiten mitgebracht uns setzte mich in einen anderen Raum. Nach einer Zeit rief er mich zu sich – ich sollte doch mal eine Tasse Kaffee mit ihm trinken. Wir kamen ins Gespräch. Bei meinen nächsten Besuchen hatte Herr A schon viele Fragen an mich und es ergaben sich viele Besuche mit interessanten Gesprächen. (AD)

 

Tiere helfen bei der Begleitung…

Eine unserer ehrenamtlichen Helferinnen besuchte regelmäßig ein Seniorenheim zusammen mit ihrem Hund. Sie machte die Erfahrung, dass die Berührung durch einem Hund es für manche Menschen leichter macht, in Kontakt zu treten mit anderen Menschen. Besonders stille und in sich gekehrte Menschen öffneten sich durch die Begegnung mit dem Hund.

Es machte die Begleiterin froh, wenn sie merkte, welche Freude die Patienten dann ausstrahlten und welche Erinnerungen wachgerufen wurden. (UK)

 

Warum ich mich entschloss, einen Hospizhelferkurs zu machen…

Ich war 45 Jahre alt, als mein Vater anfing vergesslich zu werden. Zwei unserer drei Kinder waren mitten in der Pubertät, der Älteste gerade volljährig geworden und ich halbtags berufstätig. Ich wusste damals nicht, was dieses Krankheitsbild bedeutete und was auf uns zukommen würde.

Mit den Monaten und nach den ersten zwei Jahren begriffen wir, was das Wort Demenz bedeutete und meine Mutter kümmerte sich voll Liebe und Hingabe um meinen Vater, der immer vergesslicher und verwirrter wurde. Ich selbst stand oft ohnmächtig daneben und wollte nicht wahrhaben, dass ein “Abschied zu Lebzeiten” längst begonnen hatte. Bisher hatte ich die Themen „Abschiednehmen, Sterben und Tod“ allzu gerne verdrängt und mich nicht zuständig gefühlt, wenn es galt, einen Abschied z.B. bei Beerdigungen auszuhalten. Und nun war ein Abschied unausweichlich und im Umgang mit meinem Vater täglich zum greifen nahe.

Schon lange hatte ich Kenntnis von der Hospizarbeit hier in meiner direkten Nähe und kannte Personen aus dem Vorstand. Und dennoch dauerte es noch einmal zwei Jahre bis ich mich entschloss, nicht mehr auszuweichen und mich einem Kurs anzuschließen. Ich wollte die Angst vor dem Tod und davor Menschen, die ich liebte loslassen zu müssen, verlieren. Ich lernte in kleinen Schritten, mit dem Thema Abschied umzugehen und unter fachlich qualifizierter Anleitung zu arbeiten. Dabei wurde aus einer bunt gemischten Gruppe von Menschen unterschiedlicher Altersstufen und persönlicher Ansprüche an diesen Kurs sehr schnell eine sehr vertrauensvolle und homogene Gruppe, die sich mit viel Elan und auch Spaß ernsten Themen zuwandte.

Die Demenzerkrankung meines Vaters war inzwischen weit fortgeschritten. Das Vater-Kindverhältnis hatte sich lange gedreht und ich übernahm einen Teil der Fürsorgepflicht für meinen Vater. Ich nahm ihn an die Hand, so, wie er mich als Kind früher zur Sicherheit an die Hand nahm und war erstaunt, wie glücklich, zufrieden und auch stolz es mich oft machte, wenn ich spürte, wie sehr ihm unsere Nähe gut tat und wie ruhig er oft durch unsere Vertrautheit in seiner totalen Verwirrtheit wurde. Es war gut und tröstlich für unsere ganze Familie den Zusammenhalt zu spüren und zu wissen, niemand von uns ist alleine mit einem kranken Menschen.

Der Umgang mit meinem Vater wurde mir durch das Wissen aus dem Hospizhelferkurs sehr erleichtert. Die Angst vor dem endgültigen Abschied verlor ihren Schrecken und die Gewissheit, nicht alleine zu sein, gab mir und auch unserer Familie die nötige Ruhe und Gelassenheit.

Mein Vater ist vor wenigen Monaten nach fünf Jahren Erkrankung ruhig und friedlich zu Hause in unserem Beisein eingeschlafen. Er hätte es sich genauso gewünscht, wenn er noch Wünsche hätte artikulieren können – so, wie viele andere Menschen auch: nicht allein zu sein in den letzten Tagen und Stunden, das wünschen wir uns alle und müssen deshalb lernen, den Abschied auszuhalten.

In einem Hospizhelferkurs erhält man das nötige Rüstzeug dazu und ich bin froh darüber, mich dazu entschlossen zu haben und freue mich auf die Weiterführung des Kurses. (KE)

 

Rindfleischsuppe…

Meine letzte Sterbebegleitung war im Pflegeheim. Eine schwerkranke Frau wurde vom Krankenhaus zum Sterben entlassen, konnte sich aber nicht mehr in ihrer Wohnung selbst versorgen, ihre berufstätigen Kinder konnten die Pflege der Mutter auch nicht übernehmen. Die Sterbende hatte den Wunsch nach Hospizbetreuung! Wir begegneten uns als Fremde, aber schon nach meinem ersten Besuch konnten wir eine Vertrautheit feststellen. Ich brachte ihr ein kleines Lavendelsträußchen mit, wir sprachen über Kinder und Enkelkinder über unsere Beziehungen zu Menschen, besonders sprachen wir über ihre schlimme Krankheit und wie viele Personen und liebe Mitmenschen schon vor ihr sterben mussten – Und wie viel tröstlicher es heute im Gegensatz zu früher ist, dass Sterbende palliativ versorgt werden können. Sie hatte wenig Angst vor dem Tod, aber viel Angst vor dem Sterben, Angst, dass sie zu viel Schmerzen haben würde. Diese Angst konnte durch die Palliativversorgung reduziert werden.
Sie hörte gern, wenn ich sang, konnte auch einige Lieder mitsingen, ich sprach Gebete mit ihr, benutzte dazu mein Gesangbuch, ein richtiges Schatzkästchen!
Sie freute sich immer sehr, strahlte sogar, wenn ich kam, das wiederum erfreute auch mein Herz – nach dem Vers: „Denn die Freude, die du gibst, kehrt ins eigne Herz zurück.“
Etwas banales, aber es gehörte zu meiner Begleitung dazu: Ich fragte auch nach ihrem Appetit und sie sagte, dass sie noch einmal so eine echte Rindfleischsuppe essen möchte, aber so eine, wie sie sie kennt, gibt es ja nicht im Pflegeheim. Nichts Leichteres für mich, ihr eine herzhaft duftende Suppe zu bereiten, die sie mit Riesenfreude und gutem Appetit schlürfte.
Ich durfte mich auf ihren Bettrand setzen, sie liebte es, wenn ich sie sanft streichelte, den Rücken, die Füße kraulte und ihr die Hand hielt. Zum Ende ihres Kampfes sollte ich nicht mal mehr singen, auch nicht leise, ich betete nur noch mit ihr und für sie, und das tat auch ihren Kindern gut, die abwechselnd auch nachts bei ihr blieben. (EL)

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